VOM NORDPOLARMEER ÜBER DIE LEINWAND BIS AUF DIE STRASSE

60 JAHRE ELEKTROAUTOS VON NISSAN

– 1947: Tama mit Blei-Säure-Batterie markiert den Anfang
– 1997: Prairie EV – der erste Nissan mit Lithium-Ionen-Batterie
– 2008: NUVU – ein neuer Blick auf den abgasfreien Stadtwagen

„Seine andere Sorge galt den Batterien selbst. Thorne hatte die neue Lithium-Ionen-Batterien von Nissan ausgewählt, die besonders in punkto Gewicht große Vorteile boten.“

Das Zitat könnte aus dem Mund eines Ingenieurs stammen, der im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung für eine Flotte Elektrofahrzeuge sein Produkt anpreist. Tatsächlich ist es einer Szene aus dem 1995 erschienenen Roman „Lost World“ von Michael Crichton entnommen – der als Kinohit unter dem Titel „Jurassic Park – Vergessene Welt“ auch in Deutschland berühmt wurde.


15 Jahre nach dem Dino-Thriller ist Nissan noch immer führender Hersteller auf dem Gebiet leistungsfähiger Lithium-Ionen-Batterien. Dabei reicht die Geschichte der Elektrowagen-Entwicklung des Unternehmens bis 1947 zurück. Als Folge der nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Japan herrschenden Energieknappheit förderte die Regierung nach dem Friedensschluss den Bau von Elektromobilen.

Unter den Firmen, die sich angesprochen fühlten, war auch die Tokyo Electric Cars Company. Einer der Vorläufer der Prince Motor Co., Ltd., die später mit Nissan fusionierte. Der von arbeitslos gewordenen Luftwaffentechnikern entwickelte Tama Electric Car nutzte austauschbare Blei-Säure-Batterien und fuhr mit 3,3 kW Kraft geräuschlos bis zu 35 km/h schnell. Dank einer Reichweite von 65 Kilometern verkehrten die Autos zumeist als Taxi. Auch eine Pick-up-Version war im Angebot.

Der Tama blieb bis 1950 im Handel, ehe sich Japan von den Folgen des Krieges erholt und die Ölimporte stabilisiert hatten.

Kooperation mit Sony führt zur ersten Lithium-Ionen-Batterie im Auto
1990 gab die Sony Corporation die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien bekannt. Nur einen Tag nach der offiziellen Verkündigung begann Nissan mit Untersuchungen über eine mögliche Anwendung in Automobilen. Die Perspektiven waren so viel versprechend, dass Nissan 1992 eine Zusammenarbeit mit dem Elektronikriesen beschloss.

Als erste Frucht der gemeinsamen Bemühungen erschien 1995 der Prairie EV – der weltweit erste Elektrowagen mit Lithium-Ionen-Batteriepower. In rund 30 Exemplaren wurde der Prairie EV für den Einsatz in Flotten auf Band gelegt.

„Die Mehrheit der Industrie, ja sogar einige unserer eigenen Kollegen, zeigten sich anfangs noch skeptisch gegenüber der Lithium-Ionen-Technik“, erinnert sich Hideaki Hoie, Leiter der Nissan Entwicklungsabteilung für Elektromobile. „Doch wir entschieden uns für diese Technik, weil wir im Vergleich zu Nickel-Metallhydrid-Batterien ein größeres Potential für den Einsatz im Auto sahen.“

Ein Elektroauto geht aufs Eis
Besondere Verdienste erwarb sich ein Prairie EV als Shuttle-Fahrzeug einer japanischen Nordpolar-Expedition. Zum Einsatz kam der Van in Ny-Alesund auf der norwegischen Insel Spitzbergen – auf 79 Grad Nord gelegen eine der nördlichsten Siedlungen der Welt.

Der mit einer zylindrischen Lithium-Ionen-Batterie von Sony bestückte Prairie diente den Forschern als tägliches Fortbewegungsmittel für Fahrten zwischen Forschungsstation, Ortszentrum und Flughafen. Bei meteorologischen Proben war der Nissan besonders nützlich, weil er die genommenen Proben nicht mit Abgasen verunreinigte. Aber auch Tiere ließen sich damit besser beobachten als mit einem geräuschvolleren Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

„Der Nissan EV wurde zum Symbol für unsere Absicht, die Umwelt durch unsere Aktivitäten so wenig wie möglich zu schädigen“ erinnert sich Dr. Hajime Ito, Leiter der damaligen Arktis-Forschungscrew.

Nach sechs problemlosen Jahren stellte der elektrische Polarfuchs plötzlich seinen Betrieb ein. Da Ny-Alesung, mit 35 permanenten Einwohnern keine Nissan-Werkstatt besaß, wurde der Wagen zum Check nach Japan gebracht. Dort stellten die Ingenieure erleichtert fest, dass nur ein lockerer Kondensator der Grund des Übels war. Nach dem Austausch des fehlerhaften Teils sprang der Prairie EV wieder klaglos an. So blieb als Fazit ein erfolgreich absolvierter Kaltwettertest unter extremen Bedingungen.

Die L.A. Story
Zwei Jahre nach der Vorstellung des Prairie EV ließ Nissan 1997 den ebenfalls von einer Lithium-Ionen-Batterie angetriebenen Altra EV folgen. Die Kombilimousine maß bei einem relativ langen Radstand von 2.799 Millimetern generöse 4.869 Millimeter – was in etwa den Abmessungen eines heutigen Nissan Maxima (2.776 Millimeter Radstand, 4.841 Millimeter Länge) entspricht. Das 1999 vom Green Guide to Cars and Trucks zu einem der „grünsten Wagen“ gekürte Fahrzeug wurde rund 200 Mal gebaut.

Die ersten Exemplare gingen an Energieversorger wie die Southern California Edison Company, die Pacific Gas and Electric Company und das Los Angeles Department für Wasser und Elektrizität. Einige wurden vom Polizeirevier in Santa Monica eingesetzt, um abgelaufene Parkuhren aufzustöbern. Für eine gewisse Zeit konnten Fluggäste am Airport von L.A. sogar einen Altra EV mieten.

Aufgeladen wurde das Auto durch ein sehr benutzerfreundliches, induktives Batterieladesystem, bei dem ein elektromagnetischer Stecker in eine in der Kühlermaske integrierte Ladestation eingeführt wurde. Der Neodym-Permanentmagnet-Synchron-Motor leistete 83 PS, das zwölfmodulige Lithium-Ionen-Batteriepaket war unterhalb des Beifahrersitzes untergebracht. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h betrug die Reichweite im kombinierten Stadt-/Überlandverkehr 130 Kilometer. Vierkanal-ABS, Bremsenergierückgewinnung sowie Annehmlichkeiten wie eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, ein Premium-Audiosystem und zwei Airbags gehörten zur Standardausrüstung.

Elektrischer Kinostar
Kurz nach der Einführung des Altra EV erschien 1999 der legendäre Nissan Hypermini. Der Zweisitzer – eine Art japanischer Smart – bestach durch ein leichtes und hochfestes Aluminium-Spaceframe-Chassis und war ebenfalls mit einem Neodym-Permanentmagnet-Synchron-Elektromotor sowie wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Hochleistungsbatterien bestückt. Das Aufladen via eines induktiven 200-Volt-Wechselstrom-Ladesystems dauerte rund vier Stunden. Mit einer Batterieladung fuhr der Hypermini 115 Kilometer weit und erreichte dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

Mit seinem handlichen Format – 2,65 Meter lang und 1,55 Meter hoch – und dem freundlichen Design erregte der Hypermini überall großes Aufsehen. Er spielte sogar in zwei amerikanischen Filmen, The Princess Diaries 2 (Plötzlich Prinzessin 2) und Sleepover (Plötzlich verliebt), sowie in der japanischen Zeichentrickserie Shigofumi mit. Zum Einsatz in der realen Welt kam er unter anderem an der Universität von Kalifornien und bei einem Car-sharing-Projekt in Yokohama.

Mit voller Ladung ins nächste Jahrtausend
Das neue Jahrtausend erlebte einen Quantensprung in der Entwicklung neuer Batteriesyteme. Nissan gelang es in Zusammenarbeit mit NEC, die bislang übliche zylindrische Zelle durch eine Batterie in Lamellenbauart zu ersetzen. Die neuen Akkumulatoren konnten bei gleicher Größe doppelt so viel Energie speichern. Entscheidend vorangetrieben wurde die Entwicklung immer kompakterer und zugleich leistungsstärkerer Batterien durch die Unterhaltungselektronik. „Wir können den Schülern und Studenten in den Straßen von Shibuya (Tokioter Stadtteil mit der größten Konzentration von Firmen der Unterhaltungs- und Kommunikationstechnologie) dankbar sein“, sagt Nissan-Elektronikexperte Hoie. „Sie waren begierig nach immer mehr Chats, immer schnelleren SMS und immer kürzeren Aufladezeiten. Der Handy-Boom hat die Fortschritte bei der Batterietechnologie definitiv beschleunigt.“

Folge: Die Miniaturisierung der Akkumulatoren hatte nicht nur positive Abstrahleffekte auf Mobiltelefone und Computer, sondern auch auf das Design neuer Automobile. „Bei der Wahl eines Elektromotors entfallen eine Reihe sonst üblicher Beschränkungen“, erklärt Nissan-Designchef Shiro Nakamura. „Zum Beispiel können wir die Motorhaube besonders flach und den Schwerpunkt durch die Unterbringung der Batterien am Fahrzeugboden niedrig halten. Darüber hinaus ist es möglich, Elektromotoren als Radnabentriebwerke in die Räder zu integrieren. Dank der X-by-wire-Technologie können Kabine und Bodengruppe voneinander getrennt werden. Wie das geht, zeigte Nissan mit den beiden Studien Pivo und Pivo II. Beide verfügten über drehbare Kabinen und die Fähigkeit, jedes Rad einzeln zu lenken.“

Der erste Pivo war einer der Stars auf der Tokyo Motor Show 2005. Kaum weniger Schlagzeilen machte zwei Jahre später der Pivo II. Ebenfalls 2007 verblüffte Nissan auf der Frankfurter IAA mit dem Mixim – einem Elektrowagen im Format eines knackigen Sportwagens. Ihm folgte 2008 in Paris der Nissan NUVU – wörtlich gesprochen ein „neuer Blick“ auf einen Stadtwagen von morgen. Ein Glasdach mit integrierten Solarzellen und der Einsatz organischer und recycelter Materialien im Interieur untermauerten den ganzheitlichen Nissan-Ansatz weiter.

LEAF – erster Elektrowagen der Kompaktklasse mit Platz für fünf Personen
Nach 60 Jahren Beschäftigung mit dem Thema leitet Nissan ab 2010 mit dem LEAF eine neue Ära der Mobilität ein. Das zur Kompaktklasse zählende Schrägheckauto mit Platz für fünf Erwachsene ist ein reines Elektrofahrzeug und benötigt keinen zusätzlichen Verbrennungsmotor. Sein hochmodernes Lithium-Ionen-Batteriepaket sorgt für eine Reichweite von mehr als 160 Kilometern. Der Nissan LEAF kommt Ende 2010 in Japan, den Vereinigten Staaten und Europa auf den Markt und wird damit Vorreiter der Null-Emissions-Mobilität, also einer völlig abgasfreien Möglichkeit der Fortbewegung.

Autos wie der LEAF werden uns dem Tag wieder etwas näher bringen, an dem von Lithium-Ionen-Batterien angetriebene Nissan-Modelle emissionsfrei durch Unterhaltungsparks mit geklonten Raptoren und T-Rex-Echsen fahren – statt wie zuvor nur durch Romane oder Filme.

Quelle: Nissan

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