NEUES KOLLISIONS- VERMEIDUNGSSYSTEM NIMMT ANLEIHEN AUS DER NATUR

SO SICHER WIE IM BIENENSCHWARM

– Roboter-gesteuertes Versuchsfahrzeug ahmt Ausweichverhalten der Insekten nach
– Lasertechnik simuliert Facettenauge und schafft einen 180 Grad-Blickwinkel
– Bislang als unausweichlich geltende Unfälle könnten bald verhindert werden

Was läge näher, als sich bei der Forschung nach neuen Technologien zur Kollisionsvermeidung bei den anerkannt besten Experten aus der Natur zu bedienen? Im vorliegenden Fall ließen sich die Nissan Ingenieure von einem Schwarm summender Bienen inspirieren. Die emsigen Nektarsammler und Honigproduzenten vermeiden nämlich sogar mitten im Gewusel ihres Schwarms Kollisionen zwischen Artgenossen.

Anhand eines ab 30. September auf der IT- und Elektronikfachmesse CEATEC in Tokio präsentierten Auto-Roboters zeigt Nissan erstmals, wie dank eines tieferen Verständnisses des Bienenflugs Kollisionen zwischen Automobilen künftig nahezu ausgeschlossen werden könnten.

Das auf das Kürzel BR23C getaufte Versuchsmobil entwickelte der japanische Automobilhersteller in Kooperation mit dem Forschungs- und Entwicklungscenter der renommierten Universität von Tokio. Ein bionisches Micro-Fahrzeug, das die Talente der Bienen so realistisch wie möglich nachahmt.

Kazuhiro Doi, Leiter Technologie-PR und R&D-Brand Management bei Nissan, beschreibt den BR23C als eine Erweiterung des vierlagigen Nissan Sicherheits-Schildes. „Er soll die innerste Schicht dieses Schutzschildes verbessern und so das Risiko von Kollisionen künftig stark senken.

In der Luft“, weiß Doi, „baut jede Biene ihren eigenen, ovalförmigen Flugraum auf. Er hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit unserer eigenen Vorstellung eines Sicherheitsschildes.“

Doch erst ihr geniales Facettenauge versetzt die Biene in der Lage, über einen Winkel von 300 Grad in alle Richtungen den Raum zu überwachen und so weiter ungestört in ihrem persönlichen Luftraum zu fliegen. Dabei kommt ihr zugute, dass sie im Ernstfall in fast jede beliebe Richtung ausweichen kann.

Um die Rundum-Perspektive des Facettenauges so realistisch wie möglich nachzubilden, entwickelten die Nissan Techniker den so genannten Laser Range Finder (LRF). Er überwacht im Radius von 180 Grad die Fahrbahn vor dem BR23C und meldet alle im Abstand von bis zu zwei Metern entdeckten Gegenstände oder Personen an einen bordeigenen Mikropressor.

Ausweichmanöver laufen blitzschnell und instinktiv ab
„Im Bruchteil einer Sekunde imitiert BR23C daraufhin das Ausweichverhalten einer Biene, indem er entweder das Hindernis umsteuert oder sich auf der Stelle dreht. Im Gegensatz zu bislang gebräuchlichen Systemen läuft das Manöver rein instinktiv und binnen eines Wimpernschlages ab“, betont Toshiyuki Andoh, Leiter des Nissan Laboratoriums für Mobilität und verantwortlicher Ingenieur des Autoroboters. „Das muss auch so sein, denn sonst wäre er nicht schnell genug, um den im Weg stehenden Objekten noch rechtzeitig auszuweichen.“

BR23C verfügt laut Andoh zwar über eine gewisse Intelligenz, seine Möglichkeiten zum Verarbeiten oder sogar Speichern von Daten seien aber begrenzt. „Es reicht, ihn alle paar Sekunden mit Signalen zu füttern. Für sein instinktives Verhaltensmuster benötigt er weder ein großes Gedächtnis noch eine als Folge früherer Manöver gelernte, intuitive Logik. Daher kommen wir im BR23C auch mit wenigen Dutzend Kilobyte Speicherkapazität aus.“

Lithium-Polymer-Batterien als Energielieferant
Als Antrieb für den dreirädrigen BR23C setzt Nissan auf hochmoderne Lithium-Polymer-Batterien. Sie sind leichter und haben eine höhere Energiedichte – und damit auch eine längere Lebensdauer – als Lithium-Ionen-Akkumulatoren.

Das Unternehmen bewertet den Wissenstransfer aus der Welt der Bienen als ersten Schritt auf dem Weg zu einer neue Generation von Kollisionsvermeidungssystemen. Mit ersten Serienanwendungen rechnet Nissan bereits in den nächsten zehn Jahren. Das Endziel eines absolut kollisionsfreien Straßenverkehrs wäre dann wieder ein großes Stück näher gerückt.

Quelle: Nissan

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