MIT POMMES-ÖL NACH AFRIKA

7.000 Kilometer wollen Peter Ohse aus Wanheimerort und Andreas Koch aus Angermund bei einer Rallye von Plymouth nach Bamako zurücklegen. Ihr Wagen, ein alter Nissan Kombi, fährt mit gebrauchtem Fritten-Fett.

Ernsthaft, in dem Kraftstoff, den Peter Ohse in seinen Wagen kippt, schwammen vor kurzem noch Kartoffelstäbchen. Glucks. Ein Liter dickflüssiges gelbes Pommes-Öl verschwindet in der Tanköffnung eines alten Nissan Sunny Kombi, Baujahr 1994. Peter Ohse (36), Diplom-Ingenieur aus Wanheimerort, und Dr. Andreas Koch (37), Mediziner aus Angermund, wollen mit ihrem mit Fritten-Fett betriebenen Auto demnächst an einer Rallye teilnehmen. Knapp 7000 Kilometer werden sie dabei zurücklegen. Wenn alles gut geht.

Die „Plymouth-Bamako Challenge“ ist eine seit 2002 jährlich stattfindende internationale Auto-Tour, die innerhalb von drei Wochen von der Südküste Englands, über Frankreich, Spanien, Gibraltar, Marokko, die Westsahara und Mauretanien nach Afrika, genauer Bamako, die Hauptstadt von Mali, führt. Was die Fahrt wesentlich von der auf etwa der gleichen Route angesiedelten Rallye „Paris-Dakar“ unterscheidet, ist der Low-budget- und Charity-Charakter: Die teilnehmenden Fahrzeuge dürfen nicht mehr als 100 Englische Pfund (rund 150 Euro) kosten und werden in Mali am Ende zugunsten wohltätiger Zwecke für einen weitaus höheren Wert versteigert.

Peter Ohse und Andreas Koch sind in diesem Jahr zum ersten Mal mit von der Partie. Überhaupt sind die beiden die ersten Deutschen, die an der Rundfahrt teilnehmen. „Auf die Idee“, sagt Koch, der als Arzt am Evangelischen Krankenhaus in Ratingen arbeitet, „hat mich ein Arbeitskollege gebracht.“

Gesponsort wird das Team „Pommes-Express“ hauptsächlich von Dr. Thomas Koch, dem Onkel des künftigen Rallye-Fahrers, außerdem Zahnarzt und – Inhaber von mittlerweile fünf Pommesbuden im Duisburger Stadtgebiet.

Zu seiner ersten „Frittenschmiede“ kam der 58-Jährige vor einigen Jahren wie die Jungfrau zum Kinde. Die Gattin eines Freundes besaß einen Imbissstand, das Ehepaar ging ins Ausland, Koch kaufte den Laden und hatte Erfolg. Jetzt sponsort er seinem Neffen und dessen ehemaligen Klassenkameraden – Ohse und Koch (junior) besuchten gemeinsam das Mercator-Gymnasium – die Tour nach Bamako, mit Geld und altem Pommes-Öl.

Letzteres wird normalerweise gesammelt und dann gesondert entsorgt. Für die beiden Rallye-Piloten ist es eine preiswerte, vor allem aber umweltschonende Alternative zu herkömmlichem Treibstoff. „Das Fett“, sagt Peter Ohse, „wird mit normalem Diesel gemischt, damit es flüssig bleibt.“ Auf ihre Reise wollen er und sein Team-Kollege neben einer kompletten Camping-Ausrüstung mehrere 20-Liter-Kanister mitnehmen. „Gebrauchen“, fügt der 36-Jährige hinzu, „werden wir das Pommes-Öl aber sicher nur dort, wo die Menschen nicht hungern.“

Mit Pommes-Öl nach Afrika Mit Pommes-Öl nach Afrika

von Julia Hagenacker

Fotos: Andreas Probst

Quelle: Rheinische Post

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