TEST: NISSAN MURANO – JAPANISCHER SALON-LÖWE

Autor: Holger Zehden, auto.de

Nissan MuranoMit dem Qashqai hat sich Nissan auch in Deutschland einen festen Platz in der Rangliste der beliebtesten Crossover gesichert. Sein großer Bruder, der Nissan Murano, fristet bisher nur ein Schattendasein. Das mag unter anderem daran gelegen haben, dass die Japaner den großen Crossover bisher nur mit trink freudigem V6-Benziner im Angebot hatten. Schließlich werden hierzulande über 90 Prozent aller Crossover im Premium-Segment von einem Selbstzünder in Gang gesetzt. Darum schob Nissan zur Modellpflege 2010 ein 2,5-Liter Diesel Aggregat nach und geht damit auf Kundenfang im Revier von BMW X5, Mazda CX7 und Volvo XC90.

Amerikanischer Japaner für Europa
Der erste Nissan Murano (Z50) wurde von Nissan Design Amerika entworfen. Das sieht man dem Crossover aus Japan deutlich an. Viel Blech und massige Proportionen sind genau nach dem Geschmack der Amerikaner. 2008 kam die zweite Generation des Murano auf den Markt, der bis heute bereits zwei Facelifts erhalten hat. Dabei wurde die Optik zumindest ein wenig europäisiert. Neben dynamischer gezeichneten Scheinwerfern wurde der Kühlergrill von mal zu mal feingliedriger. Der Innenraum wurde in der zweiten Modellpflege 2011durch qualitativ hochwertigere Materialien und ein optionales DVD-Entertainment-System für die Fondpassagiere aufgewertet.

Crossover mit Lounge CharacterTest: Nissan Murano – Japanischer Salon-Löwe
Trotz all der Kosmetik gibt der Murano ein stattliches Bild ab. Während die europäische Konkurrenz noch die Optik eines Geländewagens pflegt, gibt sich der Murano dynamisch elegant. Im Normalbetrieb ist das SUV jedoch als Fronttriebler unterwegs, doch dank intelligentem Allradantrieb All MODE 4x4i lässt sich der Murano auch abseits befestigter Straßen mühelos bewegen. Schön zu wissen, man könnte. Damit hausieren geht der Murano jedoch nicht. Er ist der Salon-Löwe unter den Crossover, der sich nur ungern Chromleisten und Alufelgen schmutzig macht. Auch das Interieur hat entsprechenden Lounge-Charakter. Die serienmäßigen Ledersitze würden nach Sitzkomfort und Größe auch als Wohnzimmer-Möbel durchgehen. Die Verarbeitung im Innenraum ist durchweg sehr gut, die Materialien stimmig.

Fahreindruck
Auch während der Fahrt konnte uns der Diesel-Murano überzeugen. Während andere Hersteller bei Premium-SUVs gerne auf kernige und vermeintlich prestigeträchtige Sechszylinder setzen, verpflanzt Nissan dem Murano den bewährten 2.5-Liter Vierzylinder, der auch den raubeinigen Halbbruder Nissan Pathfinder antreibt. Für den Murano wurde das Aggregat jedoch einigen Optimierung unterzogen, so dass er seine Leistung von 140kW/190 PS und maximales Drehmoment von 450 Nm deutlich kultivierter und ruhiger bereit stellt. Auch der Verbrauch soll dadurch auf 8,0 Liter Diesel sinken. Ganz so sparsam gab sich der 1.950 kg schwere Murano im auto.de-Test nicht. Nach unserem Testzyklus hatte des japanische Premium-SUV im Schnitt 10,2 Liter Diesel pro 100 km verbrannt. Umweltfreundlich sieht zwar anders aus, doch angesichts fast zwei Tonnen Eingengewichts und schlechtem Wetter – die Heizung hatte ordentlich zu tun – ist der Verbrauch überdurchschnittlich gut.

Trotz seiner stattlichen Größe von 4.680 mm Länge und 1.885 mm Breite lässt sich der Murano überraschend behände durch dichten Stadtverkehr manövrieren. Auch das Einparken geht dank Rück- und Seitenkamera leicht von der Hand, vorausgesetzt man findet eine Lücke die groß genug ist. All der Platz kommt vor allem den Insassen zugute. Die Bein- und Kopffreiheit ist auf allen Plätzen mehr als großzügig. Das Gestühl ist sehr komfortabel, bietet ausgezeichneten Langstreckenkomfort und ist zudem in der Executive-Variante auch im Fond serienmäßig beheizt. Weniger großzügig fällt hingegen der Kofferraum aus. Nur 402 bis 838 Liter passen laut VDA-Norm in den Murano. In den BMW X5 bringt man hingegen 620 bis 1.750 Liter unter. Wer so viel Stauraum nicht braucht, den belohnt Nissan mit cleveren Details wie einer Fernentriegelung der Rücksitze, die sich vom Kofferraum aus Umlegen und elektrisch auch wieder aufrichten lassen.

Ausstattung
Die Optionslisten bei Nissan sind traditionell eher kurz. Das liegt vor allem daran, dass alles Wesentliche bereits zur Serienausstattung gehört. So auch beim Nissan Murano. Dieser verfügt über sechs Airbags, Anti-Blockiersystem (ABS) mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD), elektronisches Stabilitätssystem ESP+ (inkl. Sperrdifferential durch Bremseingriff), ALL MODE 4×4-i System, Fahrtlichtautomatik, ISOFIX, aktive Kopfstützen vorn und Nebelscheinwerfer, Bi-Xenon Scheinwerfer mit Hochdruck-Scheinwerferreinigungsanlage.
Besonders üppig fällt jedoch die Komfortausstattung aus. Bereits der Basis-Murano fährt vor mit Radio-CD-/DVD-Kombination mit 6 Lautsprechern und MP3 Wiedergabe, elektrisch einstell- und anklappbaren Test: Nissan Murano – Japanischer Salon-LöweAußenspiegeln, AUX-Schnittstelle im Fond, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Bluetooth, Bordcomputer, Brems- und Rücklichter mit LED-Einsätzen, elektrisch einstellbarem Fahrer- und Beifahrersitz, elektrischen Fensterhebern vorn und hinten, Geschwindigkeitsregelanlage, verdunkelten Heckscheiben, Intelligent Key-System mit Start/Stop-Knopf, 2-Zonen Klimaautomatik inkl. Pollernfilter, Laderaumtrennsystem im Laderaumboden, Lederlenkrad mit Fernbedienung für Audiosystem und Bluetooth-Schnittstelle, höhen- und längsverstellbarer Lenksäule, Navigationssystem mit HDD-Festplatte, 7-Zoll-Farbdisplay, TMC und Spracherkennung, Regensensor, Rückfahrkamera, Rücksitzbank umklappbar mit elektrischer Hochklappfunktion, kratzfestem Klarlack „Scratch Shield Paint“, Seitenkamera im Außenspiegel der Beifahrerseite und Ledersitzen mit Sitzheizung vorn.

In der Ausstattungslinie Executive gehören zudem noch 20-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrische Heckklappenbetätigung, Memory-Funktion für Fahrersitz sowie Außenspiegel und Lenkradeinstellung, Sitzheizung im Fond, BOSE-Soundsystem mit 11 Lautsprechern und ein zweiteiliges Glas-Hub-Schiebedach zur Serie.

Aggregate
Auch bei der Motorenpalette hält es Nissan beim Murano eher schlicht. Den Einstieg bildet der 2.5-Liter Common-Rail-Diesel mit 140 kW/190 PS und 6-stufigem Automatikgetriebe. Alternativ gibt es ein 3.5-Liter V6-Benziner mit 188 kW/165 PS und Xtronic-CVT-Automatikgetriebe.

Fazit
Der Knackpunkt beim Nissan Murano ist die Optik. Der wuchtige Crossover wurde eindeutig in und für den amerikanischen Markt entworfen. Daran konnten auch ein Generationswechsel und zwei Facelifts nichts ändern. Wem der wuchtige Auftritt zusagt, der erhält mit dem Murano einen sehr gut verarbeiteten Crossover mit einer geradezu ausufernden Serienausstattung. Test: Nissan Murano – Japanischer Salon-Löwe Der gelungene und kultivierte Diesel startet dabei bereits ab 46.650 Euro, der V6-Benziner bei 48.000 Euro.
Mit deutlich weniger Ausstattung startet etwa der schwächerer Volvo XC90 D3 (120 kW/163 PS) bei 41.190 Euro. Für einen BMW X5 xDrive30d werden als Basis satte 54.500 Euro fällig. Entsprechend ausgestattet liegt der jedoch bereits jenseits der 70.000 Euro Marke.
Ein Schnäppchen ist der Nissan Murano zwar dennoch nicht, man gerät jedoch ins Grübeln, ob einem das vermeintlich bessere Image eines deutschen Fabrikats tatsächlich 8.000 bis 10.000 Euro Aufpreis wert ist. Denn dem Premiumanspruch wird der Nissan Murano auf jeden Fall gerecht.


Bewertung –
Nissan Murano Executive 2.5 dCI


Exterieur-Design
2,5
Interieur-Design 1,6
Multimedia 1,9
Navigation 2,0
Fahrbetrieb 1,7
Verbrauch 2,6
Kosten pro Jahr*
Anschaffungspreis Testfahrzeug 50.250,00 Euro
Kraftstoffkosten** 2.295,00 Euro
Steuern 437,50 Euro
Wertverlust 7.537,50 Euro
Gesamtkosten pro Jahr:
10.270,00 Euro
Testergebnis/Gesamtprädikat:
2,1
*Kosten pro Jahr setzen sich zusammen aus Kraftstoffkosten, Kfz-Steuer, errechnetem Wertverlust (15 Prozent p. a.)
**Kraftstoffkosten bei 1,50 Euro/Liter Super-Benzin und einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern
Datenblatt – Nissan Murano Executive 2.5 dCI
fünftüriger, fünfsitziger Premium-Crossover, Allradantrieb
Länge/Breite/Höhe: 4.860 mm/1.885 mm/1.720 mm
Radstand: 2.825 mm
Motor:
Hubraum: 2.488 ccm
Leistung: 140 kW/190 PS bei 4.000 Umdrehungen pro Minute
max. Drehmoment: 450 Newtonmeter bei 2.000 Umdrehungen pro Minute
Höchstgeschwindigkeit: 196 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,5 s
Test-Verbrauch (im Mittel): 10,2 l/100 km
Test-CO2-Ausstoß: 311,9 g/km
Verbrauch Hersteller (Mittel): 8,0 l/100 km
CO2-Ausstoß Hersteller: 210 g/km
Schadstoffklasse: Euro 5
Energieeffizienzklasse: D
Ausstattung
(Executive, Auswahl):
sechs Airbags, Anti-Blockiersystem (ABS) mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD), elektronisches Stabilitätssystem ESP+, ALL MODE 4×4-i System, Fahrtlichtautomatik, ISOFIX, aktive Kopfstützen vorn, Nebelscheinwerfer, Bi-Xenon Scheinwerfer mit Hochdruck-Scheinwerferreinigungsanlage, elektrisch einstell- und anklappbare Außenspiegel, Bluetooth, Bordcomputer, Brems- und Rücklichter mit LED-Einsätzen, elektrisch einstellbarer Fahrer- und Beifahrersitz, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Geschwindigkeitsregelanlage,verdunkelte Heckscheiben, Intelligent Key-System mit Start/Stop-Knopf, 2-Zonen Klimaautomatik, Laderaumtrennsystem im Laderaumboden, Multifunktions-Lederlenkrad, höhen- und längsverstellbare Lenksäule, Navigationssystem mit 7-Zoll-Farbdisplay, Regensensor, Rückfahrkamera, Rücksitzbank umklappbar mit elektrischer Hochklappfunktion, kratzfester Klarlack „Scratch Shield Paint“, Seitenkamera in Außenspiegel der Beifahrerseite und Ledersitzen mit Sitzheizung vorn, 20-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrische Heckklappenbetätigung, Memory-Funktion für Fahrersitz sowie Außenspiegel und Lenkradeinstellung, Sitzheizung im Fond, BOSE-Soundsystem mit 11 Lautsprechern, zweiteiliges Glas-Hub-Schiebedach
Gewichte/Zuladung
Leergewicht: 1.950 kg
zul. Gesamtgewicht: 2.495 kg
Zuladung: 453 -545 kg
Böschungswinkel vorn: 29°
Böschungswinkel hinten:
25°
Anhänglast geremst: 1.585 kg
Anhänglast ungeremst: 750 kg
max. Stützlast: 100 kg
Kofferraumvolumen: 402 – 838 l
Preise
Basismodell: ab 46.450 Euro (inkl. 19 Prozent MwSt., zzgl. Überführungskosten)
Testwagen: 50.250 Euro (inkl. 19 Prozent MwSt.)
Topmodell: ab 50.250 Euro (inkl. 19 Prozent MwSt.)

Quelle: auto.de

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