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INTERVIEW: „KÖNIG KUNDE TANKT NICHT WIE BEFOHLEN“

An der E10-Front tut sich was. Die über Wochen anhaltende Verweigerungshaltung der Tankkunden, anfangs aus purer Verunsicherung, heute aus Trotz, hat nicht nur dazu geführt, dass der bisherige E5-Kraftstoff teilweise ausverkauft war, sondern einzelne Mineralölunternehmen mittlerweile die Reißleine ziehen und den herkömmlichen 95-oktanigen Super-Kraftstoff parallel zum Super Plus und Super E10 anbieten. Ende März trafen sich Vertreter der Automobilbranche, der Mineralölwirtschaft und der Politik aus Deutschland und der EU zum EID Kraftstoffforum in Hamburg. Im Mittelpunkt stand u.a. der Biokraftstoff E10. Wie könnte es in Deutschland mit dem ungeliebten Kraftstoff weitergehen? Wäre ein Ausstieg möglich, und wie konsequent könnte Politik angedrohte Strafzahlungen tatsächlich durchsetzen? – Wir sprachen mit dem Energieexperten Karl-Heinz Schult-Bornemann über den „Wutbürger 21“ und mussten erfahren, weshalb Lachgas CO2 den Rang abläuft und wir ein Land der Zertifizierer werden.

KOMMENTAR: ZWANGSVOLLSTRECKUNG PER E10

Regierungen sehen sich gern in der Rolle gewählter Volksvertretungen. Kein bisschen peinlich ist ihnen offenbar, dass sie lediglich die Stimmen einer Minderheit an die Macht brachten. Auch die euphorischen Grünen sollten das verinnerlichen. Volksvertretung, wie anspruchsvoll das klingt! Ginge es wirklich nach Volkes Wille, blieben eingebrachte Beschluss- und Gesetzesvorlagen zuhauf auf der Strecke. Und das nicht nur, weil sie es meist direkt oder indirekt aufs Geld der Regierten abgesehen haben. Jedes Volk hat auch Stolz, den es nicht verletzt sehen möchte.

Vieles, was die deutsche Bundesregierung beschließen oder – zutreffender formuliert – durchboxen will, hat sie noch nicht einmal selbst ausgedacht. Weisungen kommen regelmäßig aus Brüssel. Deutliche Winke mit dem Zaunspfahl gibt es allerdings auch aus anderen Richtungen. Immer wird jedenfalls brav befolgt, was man von Deutschland erwartet. Die Konsequenz des Kuschens: Nationale Interessen bleiben seit Langem auf der Strecke.

UMFRAGE: NUR JEDER ZEHNTE WILL E10 TANKEN

Die Zweifel der Autofahrer in Deutschland an dem neuen Bio-Sprit E10 sind von dem vor wenigen Tagen einberufenen Benzin-Gipfel noch nicht zerstreut worden. Nur zehn Prozent der Deutschen wollen E10 tanken. Mit 61 Prozent ist die Mehrheit dafür, die Einführung des Biosprits zu stoppen, lediglich 32 Prozent sprachen sich für deren Fortführung aus. Das ergab der neue ARD-Deutschlandtrend.

Das Gros der Befragten, immerhin 84 Prozent, gaben an, den E10-Kraftstoff derzeit nicht tanken zu wollen. Mehr als die Hälfte (59 %) wollen erst einmal bei Super oder Super Plus bleiben. Für die schlechte Informationspolitik machen laut Umfrage 51 Prozent der Deutschen die Bundesregierung und 29 Prozent die Mineralölkonzerne verantwortlich.

E10-EINFÜHRUNG WIRD FORTGESETZT

Der umstrittene Bio-Kraftstoff E10 bleibt am Markt. Mit dieser Kernaussage traten die heute in Berlin zum Benzin-Gipfel zusammengetroffenen Vertreter von Politik, Automobil- und Mineralölindustrie sowie Autobilklubs und anderen Verbänden vor die Presse.

Alle an dieser Runde Beteiligten hätten Verständnis für die Verunsicherung und die Verwirrung rund um die Einführung von E10, räumte Umweltminister Norbert Röttgen ein, doch befürworteten sie gleichermaßen geschlossen die Einführung von E10 aus Gründen des Klimaschutzes und um sich vom Öl unabhängiger zu machen.

95 PROZENT LEHNEN ÖKOSPRIT E10 AB

Seit Anfang Februar wird E10 an deutschen Tankstellen angeboten und hat noch immer keine Freunde gefunden. 95 Prozent der vom Kfz-Portal www.auto.de 19.731 befragten Auto- und Motorradfahrer lehnen auch vier Wochen nach Markteinführung das neue „Ökobenzin“ E10 ab. Sie glauben, dass es wichtigere Probleme gibt. So sehen fast ein Drittel (30 %, 5.919 Stimmen) die Einführung nur als weiteres Konjunkturprogramm auf Kosten der Steuerzahler. 28 Prozent sehen das Geld lieber in Elektroantriebe investiert (5.525). 24 Prozent der Befragten (4.735) würden lieber die deutschen Straßen saniert bekommen, anstatt ein „teures grünes Feigenblatt“ aufzulegen. 2.565 Befragte (13 %) wollen sich als nächstes einen Diesel-Pkw kaufen, um dem E10-Sprit aus dem Weg zu gehen.

„Wir haben festgestellt, dass die bislang angebotenen Benzinarten stellenweise um etwa drei bis fünf Cent pro Liter gestiegen sind. Damit soll der Absatz von E10 angekurbelt werden, der eigentlich teurer in der Herstellung ist als der übliche Sprit“, so Thomas Kuwatsch von auto.de.