QUADRATISCH, PRAKTISCH. CUBE?

Autor: Roland Müller, Café Digital

Nissan CubeWas in Tokios verstopften Straßen und im Gewühl von Kaliforniens Bay Area längst zum guten Ton urbaner Mobilität gehört, hat nun auch den Sprung auf den “alten” Kontinent gewagt: Boxcar-Design! Sprich: Automobile, die gestaltet sind wie eine Schachtel. Was natürlich maximale Raumausnutzung verspricht. Eines der hipperen Teile dieser Bewegung hatten wir zu einem kurzen Test zur Verfügung (herzlichen Dank an das Autohaus Haese in Wiesbaden!). Wie sich der hierzulande brandneue Nissan Cube anfühlt, wofür er sich eignet und wofür nicht, das ist Inhalt unserer folgenden “Begehung” an einem eher diesigen Maitag im Rhein-Main-Gebiet…

Tja, da steht er nun, der Cube. Und blinzelt uns an. Ein wenig ungewohnt ist der Anblick des etwas pausbackigen Gefährts ja schon. Von vorne, aber mehr noch von der Seite…


Wer mag sich so etwas vor die Tür stellen? Mein Vater (lebte er noch), sicher nicht. Aber der wäre auch nicht die Zielgruppe für ein Boxcar-Design.

Wir umrunden den so unkantigen Gesellen und wundern uns über den Mut japanischer Designer, eine Schachtel wie diese mit gewagten Rundungen auszustatten und einen asymmetrischen Heckscheibe, die sich nur einseitig um die C-Säule windet.

Bis hin zum Felgendesign ist das alles, nur kein Mainstream. Wir geben uns einen Ruck und steigen ein…

Der Blick zurück macht klar: Platz bietet er reichlich, der Cube. Auch wenn die Stoffsitze nicht unbedingt langstreckentauglich scheinen. Aber das ist ja auch nicht der vorrangige Einsatzzweck für ein solches Fahrzeug.

Der Blick nach oben macht endgültig klar: Wir sitzen in einem echten Japaner! Denn das Panorama-Glasdach (leider nicht zu öffnen), ist mit zwei Abdeckungen versehen – die eine verschließt es komplett, die andere dämpft grelles Sonnenlicht mit halbtransparenten Kunststoffeinsätzen, die wie Japanpapier wirken. Witzig.

Jedenfalls genießt man die Transparenz und die Übersicht, wenn man erstmal Platz genommen hat.
Starten wir also…
Wozu es genügt, den Autoschlüssel in eine Ablage links vom Lenkrad zu legen und den Startknopf auf der Mittelkonsole zu drücken. Sehr futuristisch. Allerdings fragen wir uns, was man macht, wenn die Bordelektronik sich mal verweigern sollte…

Egal. Wir fahren los. Das Cockpit ist übersichtlich, alle Bedienelemente da, wo man sie erwartet, das Multifunktionsdisplay gut im Sichtfeld platziert. Als wir den Rückwärtsgang einlegen, schaltet es um und aktiviert selbstständig eine Rückfahrkamera. Nicht übel! Und allemal angenehmer als die sonst übliche Lösung für automobile “Weicheier”, die nervig piepsenden Rückfahrsensoren.

Wie fährt er sich nun, der weiße Innenriese? Nun, sehr entspannt. Einigermaßen straff abgestimmtes Fahrwerk, ausreichende Motorisierung. Aber eben nur ausreichende. Mehr als 140 km/h sollte man dem Cube auf der Autobahn nicht zumuten. Darüber wird’s ein bisserl laut, vor allem aber zunehmend zäh vom Ansprechen aufs Gaspedal. Allerdings, und das ist ja schon angeklungen, ist das kein Langstreckenauto. Sondern ein Gleiter für den urbanen Raum. Und dafür, das kann man schon mal festhalten, ist er sehr gut geeignet.

Die ca. einstündige gemischte Tour über Autobahn, Landstraße und durch die Stadt endet auf einem Aldi-Parkplatz, wo wir uns den Cube nochmal näher anschauen und uns vor allem einen Eindruck verschaffen von den Belademöglichkeiten.

Die Türen sind groß und der Einstieg fällt leicht.
Insbesondere die riesige links angeschlagene Hecktür fällt ins Auge.
Kein Zweifel, er gibt sich sehr offenherzig, der Cube und beladefreundlich.

Hinter der 2/3-geteilten Rücksitzbank ist ausreichend Raum für Gepäck und den einen oder anderen Sake-Kasten. Aber da geht natürlich noch mehr! Denn der urbane Lifestyle lechzt ja bekanntlich nach Variabilität…

Die Rücksitzbank mit ihren wenig ausgeformten und etwas zu wenig nach hinten geneigten Sitzflächen lässt sich komplett verschieben. Sodass der geneigte Passagier selbst entscheiden kann, ob er mehr Stauraum hinter den Sitzen wünscht oder mehr Beinfreiheit für die Heckpassagiere. So weit, so flexibel.

Die Rücksitzbank bietet eine ausklappbare Mittellehne mit den obligatorischen Dosenhaltern für die Red Bull Generation. Aber auch eine flinke Entriegelungsschlaufe, um die Rücksitze umzulegen. Mit deutlichen Folgen für die Ladekapazität!
Selbst wenn wir nur zwei Drittel der Rücksitzbank beiklappen, ergibt sich eine ebene Ladefläche, der man durchaus einen IKEA-Besuch zumuten darf.

Zumal das Scheunentor im Heck den Zugang auf voller Breite und mit vernünftig niedriger Ladekante ermöglicht. Allerdings sollte dann nicht etwas Kurznasiges wie etwa ein VW-Bus hinter dem Cube parken. Das könnte ins Auge gehen beim temperamentvollen Aufreißen der Hecktür. Ein weiterer Nachteil der Einseitigkeit dürfte sein, dass zwar eine Beladung von rechts hinten genial gut geht, von links aber weniger. Einfach, weil die Hecktür im Wege ist. Der Cube ist also eher ein Wagen für die rechte Bordsteinkante als die linke…

Aber gut, irgendeinen Preis muss man ja zahlen für das überaus mutige Außendesign. Und komisch, ein wenig erinnert uns der Cube an einen mit Steroiden aufgepumpten iPod auf Rädern. Zumal natürlich ein USB-Anschluss mit an Bord ist!

Insgesamt ein freundlicher Weggefährte für Kurz und Mittelstrecken und in der Stadt. Eigentlich ideal, um im Rhein-Main-Gebiet herumzuwieseln. Was sich wohl auch ein lokaler Apple-Händler gedacht haben muss, als er Nissan Cubes für Auslieferung und Servicefahrten angeschafft hat.

Unser Fazit ist somit trotz einiger kleiner Kritikpunkte (Motor mit etwas mehr Durchzug und bessere Sitze) rund um positiv: Der Nissan Cube ist ein Kind der Zeit und des urbanen Lebensstils. Er verbraucht bescheiden, ist sehr variabel und ein absoluter Hingucker. Und ohne die, hm… dezenten Werbesticker unseres Testfahrzeugs hat er auch eine ganz eigene Ästhetik, keine Frage. Ob Deutschland mit seinen doch eher konservativen Autofahrern reif ist für solch ein Konzept? Keine Ahnung, das muss der Markt zeigen. Und wer weiß? Vielleicht kommt demnächst ja sogar ein Cube mit einem alternativen Antriebskonzept? Gerade ein solcher Wagen schreit eigentlich nach Hybrid- oder E-Antrieb. Aber das ist wieder ein anderes Thema…

Quelle: cafedigital.de

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