NISSAN NAVARA KLEINRÜSTFAHRZEUG

Autor: Hannes Draxler, fireworld.at

Nissan Navara FeuerwehrSt. Valentin: In unmittelbarer Nähe zu Oberösterreich, im so genannten Enns-Donauwinkel, findet man die Stadt St. Valentin. Sie ist somit die westlichste Stadt Niederösterreichs.

Im gesamten Gemeindegebiet von St. Valentin gibt es insgesamt fünf Feuerwehren: zwei Betriebs- und drei freiwillige Feuerwehren, eine davon ist die Freiwillige Feuerwehr Stadt St. Valentin.

EINSATZGEBIET:
Das Einsatzgebiet dieser Feuerwehr beinhaltet so ziemlich alle Momente, welche enorme Anforderungen an das Material als auch die Mannschaft stellt: Westautobahn, Westbahn, Bundesstrasse B1, chemische Betriebe, Enns-Fluß, Industriegebiete, …. Speziell für die Aufarbeitung kleinerer Einsätze wie Türöffnungen, aber auch als Absicherungsfahrzeug bei Verkehrsunfällen war man bei der Feuerwehr Stadt St. Valentin schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einem so genannten Vorausfahrzeug mit entsprechender Ausstattung und Ausrüstung für derartige Einsätze.


KONZEPTAUSARBEITUNG:
Bei der Ausarbeitung eines Konzeptes sowie eines Pflichtenheftes wurden mehrere Varianten bereits gebauter Fahrzeuge von diversen Aufbauherstellern angesehen und beurteilt. Schlussendlich wurde in enger Zusammenarbeit mit den Spezialisten der Firma Rosenbauer ein Layout für das Fahrzeug erarbeitet. Die Anforderungen der Feuerwehr waren sehr hoch, diese umfassten z.B. dass das Fahrzeug ein maximales Einsatzgewicht von 3.500 kg haben darf, Besatzung 1:2, Lichtmast, Einbaugenerator, Löschanlage, hydraulisches Rettungsgerät, … All das in diesem doch eher kleinen Aufbau unterzubringen, war sicherlich eine Herausforderung für den auf Sonderfahrzeuge spezialisierten Aufbauhersteller aus St. Pölten.

NISSAN HAT SICH BEWÄHRT
Nachdem man mit dem Nissan Pathfinder, welcher als Kommando drei Verwendung findet sehr zufrieden ist, wurde mit dem Nissan Navara das ideale Fahrgestell für das neue Fahrzeug gefunden. Mit der Doppelkabine bietet der Navara ideale Voraussetzungen zur Unterbringung der Mannschaft, aber auch von zahlreicher Ausrüstung.
Mit einem Radstand von 3.200 mm ist er sehr wendig und im Gelände sehr angenehm zu fahren. Dies spiegelt sich wider im sehr kleinen Wendekreisdurchmesser von nur 13,8 Meter. Der kraftvolle 190 PS (140 kW) 4-Zylinder-4-Takt Turbodiesel Motor beschleunigt das Fahrzeug trotz seines hohen Einsatzgewichtes von ca. 3.480 kg binnen kürzester Zeit auf die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.

Auch mit seinen sehr kompakten Abmessungen besticht das Fahrzeug, bei einer Gesamtlänge von nur 5.100 mm, einer Breite von 1.775 mm und einer Höhe von 1.800 mm kommt man stets dorthin wo Hilfe gebraucht wird, auch bei äußerst unwegsamen Terrain.
Das Fahrgestell wird serienmäßig mit einer Blattfederung ausgeliefert und die höchstzulässige Gesamtmasse bei 3.200 kg beschränkt. Durch den zusätzlichen Einbau einer Luftfederung konnte das Fahrzeug mit 3.500 kg höchstzulässiger Gesamtmasse typisiert sein.

AUFBAU VON ROSENBAUER:
Der Aufbau im Heck wurde von Rosenbauer International komplett neu gebaut und auf das Fahrgestell adaptiert. Der serienmäßig mitgelieferte Aufbau wurde demontiert und mit einem formschönen mit Aluminium-Extrusions-Profilen versteiften Aufbau getauscht. Links und rechts, als auch im Heck ist der Aufbau durch Rollläden mit Barlock-Verschlüssen staub- und wasserdicht verschlossen. Das Original Fahrerhaus wurde mit einem Dachüberbau versehen, in welchen eine LED Umfeldbeleuchtung integriert ist. Am Dach des Fahrerhauses sind zwei kurze Blitz-Leuchtbalken montiert, dazwischen sind die vier Schallbecher der Martinshornanlage integriert.

Im Frontgrill sind zwei blaue LED Blitzleuchten als Strassenräumer integriert, zwei weitere finden sich im Heck am Aufbau wider. An den Kotflügeln vorne sind ebenfalls kleine blaue LED Blitzer installiert, um das Fahrzeug auch seitlich als im Einsatz befindlich zu kennzeichnen.
Am Dach des Aufbaues ist eine selbst aufstellende LED Verkehrswarn- und leiteinrichtung aufgebaut, durch Knopfdruck im Fahrerhaus können auf ihr verschiedene Symbole oder Pfeile angezeigt werden. Auch blaue LED Blitzer sind in ihr integriert.

LICHTMAST:
Ein weiteres Highlight ist der pneumatisch auf eine Lichtpunkthöhe von ca. 5,50 Meter ausfahrbare Lichtmast mit einer Lichtleistung von 4 Xenon Leuchten mit einer Lichtleistung von 4x35W Xenon 12V, welcher die Einsatzstelle taghell erleuchtet. Der Mast ist drehbar ausgeführt und die Scheinwerfer in der Höhe neigbar.

BESONDERHEIT:
Als Besonderheit zur Erhöhung der Nachtsichtbarkeit des Fahrzeuges im Einsatz wurde im Heckbereich eine Warnmarkierung, bestehend aus gelb-roter retroreflektierender Folie gem. ECE 104 und konform der DIN 14502-3 eingesetzt.

INNENRAUM:
Die Sitzbank im hinteren Bereich der Kabine wurde vollständig demontiert und durch einen ergonomischen Rosenbauer-Einzelsitz an der rechten Fahrzeugseite ersetzt. An der linken Seite wurde das Innenleben der Türe demontiert und stillgelegt, an Stelle der Sitzbank wurde hier Platz für Ausrüstung geschaffen. So findet sich hier unter anderem ein Pressluftatmer, der nicht nur als Erkundungsgerät eingesetzt werden kann. Des Weiteren ist hier Erstangriffskoffer “Verkehrsunfall”, der Sanitätsrucksack, Arbeits- und Rettungsleinen sowie die Löschdecke in leicht zugänglichen Halterungen gehaltert.
Der Mittelbereich im hinteren Teil der Kabine, dient dem hinten sitzenden Feuerwehrmitglied als Arbeitsfläche für den Laptop, auf welchem das Weber Hydraulik – Crash Recovery System installiert ist. Auch sind die Suchscheinwerfer, Schreibmaterial usw. an diesem Ort zu finden.

Die Plätze für den Fahrer und den Beifahrer bleiben weitestgehend unberührt, lediglich ist zwischen beiden Sitzen die Steuerung der gesamten Warn- und Alarmanlage, Umfeldbeleuchtung sowie Funk zu finden. Als Halterung für das Funkgerät wurde eine spezielle Kombinations-Ladehalterung verwendet: ist das Handfunkgerät eingeschalten und in der Halterung, so kann man Funksprüche über die Fahrzeuglautsprecher empfangen, neben dem Beifahrersitz ist ein Faustmikro für das Sprechen montiert. Herausgenommen aus der Halterung funktioniert das Handfunkgerät wie gewohnt. Durch die Wahl dieser Halterung konnte auf den Einbau einer Fahrzeugstation verzichtet werden.

ABGESTIMMTE HALTERUNGEN:
Die Situierung und die Halterung der Beladung im Heckaufbau wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Rosenbauer und der Feuerwehr festgelegt. Im Heck sind zwei Einzelschübe montiert, auf dem linken Schub ist das hydraulische Rettungsgerät gehaltert, inkl. Rettungszylinder und Bereitstellungsplane. Zusätzlich findet man auf diesem Schub ein mit Verbrennungsmotor betriebenes Hydraulikaggregat für Einsätze der hydraulischen Rettungsgeräte fernab jeden befestigten Geländes. Darunter ist eine 4,20 m Telestair Teleskopleiter gehaltert. Am rechten Schub im Heck ist eine Rosenbauer Poly CAFS Anlage mit 35 Liter Inhalt und einer Haspel mit formstabilem 20 Meter Schlauch und einem CAFS Strahlrohr montiert. Unter diesem Schub fand sich Platz für das Weber Stabfast und das neue Rosenbauer Dreibeinstativ.

Auf der linken Fahrzeugseite sind drei Schukosteckdosen für den 5 kVA Einbaugenerator installiert. Im oberen Teil dieses Beladeraumes sind zwei Kunststofftrageboxen mit Hebekissenzubehör, Verlängerungskabel, Säbelsäge und zahlreichem Zubehör untergebracht. Darunter ist ein CO2 Feuerlöscher, Schwelleraufsätze, Hebekissen, eine Werkzeugkiste, Bolzenschneider, Brechstange sowie Unterbaumaterial gehaltert. Ebenso im Geräteraum and er linken Seite ist der Tankeinfüllstutzen untergebracht. In der Feuerwehr wird das Fahrzeug über eine kombinierte Ladesteckdose 230V und Druckluft, welche sich ebenfalls auf der linken Seite befindet, versorgt. Da das Fahrzeug über eine Luftfederung sowie einen Lichtmast verfügt, wurde ein eigener 12V Kompressor samt Druckspeicheranlage eingebaut. Dadurch war es möglich, an der linken Seite eine Haspel mit Luftschlauch und Ausblasepistole zu montieren.

Die rechte Seite kann als Arbeitsplatz des Maschinisten gesehen werden. Hier finden sich die Bedieneinreichtung für dem Lichtmast und den Einbaugenerator. Weitere drei Schuko 230V Steckdosen wurden hier montiert. Um beim Absichern einer Einsatzstelle (speziell) auf der Autobahn nicht bei laufendem Verkehr die gesamte Ausrüstung dafür aus dem Fahrzeug nehmen zu müssen, wurden die hierfür notwendigen Gerätschaften (Faltsignale, Verkehrsleitkegel und Blitzer) alle an der rechten Seite in einem Geräteraum gehaltert. Ebenfalls ist in diesem Geräteraum das Türöffnungsset, Marke Ziehfix, gehaltert.
Des Weiteren findet man hier eine Kabeltrommel, einen Flutlichtscheinwerfer, eine Motorkettensäge samt Reservekombikanister.

Im Großen und Ganzen kann behauptet werden, dass hier durch die enge Kooperation zwischen der Firma Rosenbauer und der Feuerwehr Stadt St. Valentin ein gelungenes Fahrzeug entstanden ist, welches auf minimalem zur Verfügung stehendem Platz maximale Einsatzmittel mit sich führt.

Quelle: fireworld.at

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