NISSAN JUKE: DAS ENDE DER LANGEWEILE

Autor: Jens Riedel, auto-medienportal.net

Nissan JukeNissan ist selbst ein wenig von dem immensen Erfolg des Qashqai überrascht gewesen. Nun legen die Japaner nach und präsentieren auch für das Kleinwagensegment einen Crossover, der sich gängigen Vorstellungen noch weiter entzieht. Der Juke bringt den mittlerweile doch etwas überstrapazierten Begriff „Crossover“ wieder auf den Kern zurück Der neue Nissan ist tatsächlich – wie von den Marketingstrategen angekündigt – eine Kreuzung aus SUV und Coupé.

Nicht nur die Form fällt aus dem Rahmen, sondern auch die Motorisierung. Stolze 140 kW / 190 PS leistet der lediglich 4,14 Meter lange Nissan Juke in der Topversion. Das schaffen selbst andere Kleinwagen mit prestigeträchtigen Kürzeln wie GT oder GTI nicht. In 8 Sekunden erreicht die 6-Gang-Schaltversion Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h. Mit stufenloser Automatik sind es nicht einmal eine halbe Sekunde mehr und immer noch 200 km/h. Doch der Nissan Juke muss gar nicht auf der Überholspur fahren, um Aufmerksamkeit zu erregen. Er stiehlt auch im Stand den meisten und auch viel größeren Autos die Schau.


Den Trick mit den hoch oben angebrachten und optisch versteckten Türgriffen kennt man ja bereits auch von einigen anderen Marken. Den sportlichen Charakter unterstreichen dazu nicht nur die abfallende Dachlinie samt integriertem Spoiler und das spitz zulaufende Heck mit den ausgestellten Kotflügeln und den bumerangförmigen Leuchten, sondern auch das Raumgefühl im Fond mit seinem schmalen Fensterband. Die Kopffreiheit ist hint4en ebenso beschränkt wie der Fußraum. Vor allem das Schienbein stößt gerne unten an die Vordersitze. Doch der Nissan Juke will auch keineswegs den Stadtwagen als Kindergarten- oder Schulshuttle spielen. Er soll vor allem mit dem doch recht langweiligen, weil pragmatischen Kleinwagendesign brechen, bei dem nach dem Motto „quadratisch, praktisch, gut“ die Form der Funktion folgt. Hier ist endlich wieder ein Auto, das auch äußerlich Charakter zeigt. Und das polarisiert.

Die einen lehnen den Juke kategorisch ab, andere sehen ihn ihm schon eine künftige Designikone. Vor allem die Front sticht heraus, die dem sportlichen Heck einen robusten SUV-Auftritt entgegensetzt. Auf den vorderen Kotflügeln prangt wie beim Micra die so genannte „Blase“, die Stand- und Blinklicht beinhaltet. Die Hauptscheinwerfer sind davon getrennt und fallen für ein heutiges Auto nicht nur ungewöhnlich klassisch rund aus, sondern für einen Kleinwagen auch ziemlich groß aus. Dazu kommt in der Frontschürze das „Weinregal“. Die untere Blende weist drei ausgeschnittene Rundungen auf, die an den Enden von den Nebelscheinwerfern flankiert werden.

Die ungewohnten Ansätze werden im Innenraum fortgeführt. Dazu zählt vor allem neue Nissan Dynamic Control System, das ab der mittleren Ausstattung Acenta an Bord ist. Das zentral in der Mittelkonsole platzierte Bedienelement erlaubt nicht nur die drei Fahrstufen „Normal“, „Eco“ und „Sport“ mit entsprechender Beeinflussung der Motordynamik, sondern bietet in seinem Display auch noch – je nach Fahrmodus – Anzeigen für das Drehmoment, die ökologischste Fahrweise, den Ladedruck des Turbos, die Bremsenergierückgewinnung für die Batterie oder sogar die auf das Fahrzeug einwirkenden vertikalen und horizontalen Beschleunigungskräfte.

Stolz ist Nissan beispielsweise aber auch auf die charakteristische und lackierte Mittelkonsole zwischen den Sitzen, deren Form am vorderen Ende an einen Motorradtank erinnern soll. Die klassischen Rundanzeigen werden von einem wellenförmigen Instrumentenschirm überspannt, der italienisches Sportwagen-Flair verbreitet. Auch die farblichen Akzente in den Sitzbezügen und den Türinnenseiten wissen zu gefallen. Nicht ganz dem Premiumanspruch genügen das harte Plastik am Armaturenbrett und die sehr billig wirkende Klavierlack-Optik.

Trotz der SUV-typischen hohen Sitzposition stellt sich dank der schmalen Windschutzscheibe und weit nach vorne reichenden Dachlinie ein sportliches Gefühl ein. Für Alltagstauglichkeit sorgen die zu einer Ebene umklappbaren Rückenlehnen im Fond.

Der Leistungsauftritt des 1,6-Liter-Benziners ist in der 190-PS-Variante über jeden Zweifel erhaben und bietet vor allem als Topmodell mit Allrad und Automatik einen absolut überzeugenden Auftritt. Die Schaltversion hingegen ist ausschließlich als Fronttriebler erhältlich. Der Getriebehebel liegt angenehm hoch in der Hand, die Wege sind schön kurz, die Passung präzise. Ab 2500 Umdrehungen liegt ordentlich Schub an. Das höchste Drehmoment verteilt sich nahezu über den gesamten Bereich an. Die Kraftentfaltung führt gerne schon einmal dazu, dass die Räder beim Anfahren durchdrehen. Der EU-Normverbrauch liegt mit unter sieben Litern erfreulich niedrig.

Doch auch der kleinere 1,6-Liter-Benziner verfügt mit 86 kW/ 117 PS und 158 Newtonmetern Drehmoment über ausreichend Leistung und sorgt für ausreichend flottes Fortkommen. Zudem lässt sich der kleine Juke angenehm schaltfaul fahren. Alternativ gibt es einen nahezu gleichstarken 1,5-Liter-Diesel mit sechs Gängen.

So eigenwillig das gesamte Fahrzeug ist, so selbstbewusst fällt die Preisgestaltung aus. Los geht es bei 16 990 Euro. Das ist für einen Kleinwagen nicht wenig. Aber es ist ja bekanntlich schon immer etwas teurer gewesen, einen guten Geschmack zu haben. (ampnet/jri)

Daten Nissan Juke 1.6 l DIG-T 4×2 6-Gang

Länge x Breite x Höhe (m): 4,14 x 1,77 x 1,576
Motor: Vierzylinder-Reihen-Benziner, Turbolader, Direkteinspritzer, 1618 ccm
Leistung: 140 kW / 190 PS bei 5600 U/min
Max. Drehmoment: 240 Nm bei 2000 – 5600 U/min
Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm): 6,9 Liter
CO2-Emissionen: 159 g/km (Euro 5)
Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 8,0 s
Leergewicht/Zuladung: 1325 kg / 410 kg
Kofferraum: 251 – 880 Liter
Anhängelast (gebremst): 1200 kg
Räder/Reifen: 7 x 17 / 215/55 R 17
Basispreis: 22:240 Euro

Quelle: auto-medienportal.net

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