NISSAN GT-R: KAMPFJET FÜR DIE STRASSE


Autor: Holger Zehden, auto.de

Nissan GT-R Black EditionNur zwei Jahre nach Markteinführung hat Nissan den GT-R schon überarbeitet. Jedoch nicht aus Notwendigkeit, sondern um den etablierten Supersportlern erneut zu zeigen wo der Hammer, oder in diesem Fall wohl besser das Samurai-Schwert hängt. Denn was dem GT-R an Prestige fehlt, macht er durch Leistung wieder wett. Aktuell kann es jedenfalls kein Fahrzeug mit dem GT-R aufnehmen, das nicht mindestens doppelt so viel kostet. Direkte Leistungs-Konkurrenten sind etwa Porsche 911 Turbo S, Lamborghini Gallardo oder Audi R8 GT.

Sportwagenschmiede Nissan
Das Nissan auch sportlich kann war bis vor zehn Jahren in Deutschland kaum geläufig. Kennern mag zwar der Nissan 300ZX „Fairlady“ ein Begriff sein, breite Popularität erlangten Sportwagen von Nissan hierzulande erst mit den Kinofilmen der „The Fast and the Furious“ Reihe, damals GT-R Reihe des Nissan Skyline, der bereits seit 1973 dank 2.6-Liter Biturbo mit 206 kW/280 PS zu den Supersportlern zu rechnen war. Zum Vergleich: Der erste Porsche 911 Turbo von 1976 kam gerade mal auf eine Leistung von 191 kW/260 PS. Die R-Reihe des Skyline wurde jedoch 2002 eingestellt. Obwohl bereits auf der Tokyo Motorshow 2001 eine Studie des GT-R ausgestellt wurde, dauerte es bis zur Serienreife des GT-R noch sieben Jahre. Pünktlich nach den üblichen drei Jahren spendierte Nissan dem GT-R 2011 eine Modellpflege, in deren Zuge die sprichwörtlich fabelhaften Werte des Wagens noch einmal nachgebessert wurden.

Optik – Dezent geht anders
In Erwartung einer Nissan GT-R Black Edition schauten wir zunächst nicht schlecht, als der Supersportler in leuchtendem „Vibrant Red“ vor uns stand. Mit dem weit aufgerissenen Kühler-Maul und 1.895 mm Breite (ohne Spiegel) ist er alles andere als dezent. Am unauffälligsten gibt sich der GT-R noch im Profil. Abgesehen von der ausgeprägten Keilform des 4.670 mm langen Sportcoupés sticht die üppige 20-Zoll-Bereifung mit den orange lackierten Brembo-Hochleistungsbremen ins Auge. Richtig protzig ausgefallen ist das Heck des GT-R. Neben den vier faustgroßen Auspuffendrohren sorgt ein gewaltiger Heckflügel für genügend Abtrieb, um den GT-R stabil auf der Straße zu halten.

Porsche-Schreck Reloaded
Zum neuen Modelljahr hat Nissan die Leistung des 3.8-Liter V6-Biturbo des GT-R um 45 PS auf 340 kW/530 PS erhöht. Das maximale Drehmoment steigt dadurch von 588 Nm auf konstant zwischen 3.200 und 6.000/min anliegende 612 Nm. Laut Nissan reicht diese Leistung aus, um das 1.815 kg schwere Sportcoupé in 3,0 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h zu beschleunigen. Damit lässt der nachgeschärfte GT-R selbst Größen wie Porsche 911 Turbo S (3,3 s), Lamborghini Gallardo Superleggera (3,8 s) und Mercedes SLS AMG (3,8 s) alt aussehen. Dabei hilft der patentierte ATTESA ET-S (Advanced Total Traction Engineering System for All – Electronic Torque Split) Allradantrieb. Denn während der GT-R auf trockener Fahrbahn ausschließlich über die Hinterachse schiebt, können bei weniger stabilen Verhältnissen – wie etwa dem Vollgas-Spurt aus dem Stand – bis zu 50 Prozent der Kraft auf die Vorderachse abgegeben werden. Zudem besitzt das ATTESA-System die Fähigkeit, beide Hinterräder einzeln anzusprechen.

Fahreindruck – Leistung ohne Ende
Doch genug des Schwelgens in den Fabelwerten des japanischen Supersportlers. Nun soll er sich auch in der Praxis beweisen. Ein Druck auf den Startknopf und die 530 Pferde unter der Haube des GT-R vermelden angenehm brummig ihre Einsatzbereitschaft. Wir lassen es ruhig angehen, und der GT-R macht auch genau, was wir von ihm verlangen. Gemächlich setzt sich der Japaner in Bewegung und gleitet angenehm ruhig im Stadtverkehr mit. Wäre da nicht die bullige Optik, könnte man den GT-R beinahe unauffällig durch urbane Gefilde lotsen. Beim langsamen Ausrollen an Ampeln kann man das GR6-Doppelkupplungsgetriebe schalten und walten hören. Ganz normale Geräusche für einen Supersportler, wie Nissan im GT-R Handbuch versichert. Und irgendwie haben sie recht. Während man einem Kleinwagen eine derart laute Schaltkulisse niemals verzeihen würde, lauscht man beim GT-R ehrfürchtig jedem Gangwechsel. Wie knapp 80.000 Euro Preisunterschied doch die Wahrnehmung beeinflussen.

Tacho und Tempolimit sollte man beim Nissan GT-R stets im Auge haben.
Denn lässt man den japanischen Boliden unbedacht von der Leine, genügt ein Wimpernschlag und der Führerschein ist für lange Zeit erst mal weg. Besonders deutlich wird die Urgewalt, mit der der GT-R zu Werke geht, wenn man im Stand Gaspedal und Bodenblech miteinander bekannt macht. Die ersten zehn Meter scheint der GT-R in einem gewaltigen Satz zu überbrücken, gefolgt von unbändigem Vortrieb, der nie zu enden scheint. Innerstädtisch verbieten sich solche Anfahrt-Spielchen natürlich, da es schier unmöglich ist, den Nissan abzufangen, bevor er all zu weit über die 50 km/h hinausschießt.

Dass der Nissan GT-R hierzulande – trotz unzähliger Videospiel- und Filmauftritte – auf der Straße noch immer ein Exot ist, wird uns auf der Autobahn bewusst. Beim Auffahren schießt auf der linken Spur eine Mercedes E-Klasse vorbei. Das Tempo liegt deutlich jenseits der 200 km/h. Der Fahrer will jedoch die Spur auch dann nicht räumen, als der GT-R sich nach nicht einmal fünf Sekunden an seine Fersen heftet. Anscheinend wird die Silhouette des GT-R im Rückspiegel noch nicht mit einem Supersportler verbunden. Hat man jedoch freie Fahrt, jagt der GT-R los als gäbe es kein Morgen. Wenn andere Fahrzeuge bei 250 km/h abregeln, zieht der Nissan erst richtig an. Es ist beängstigen, wie schnell die Tachonadel sich der 300-km/h-Marke nähert und wie spielend er diese schließlich hinter sich lässt. Ende der Fahnenstange ist erst bei 315 km/h, doch selbst knapp darunter hat man nicht das Gefühl dem GT-R ginge die Puste aus. Aber trotz enorm guter Bremsen ist es kaum möglich, den GT-R jemals auf öffentlichen Straßen an seine Grenzen zu bringen. Doch bereits die brachiale Beschleunigung auf 100 km/h ist mehr als beeindruckend.

Beinahe genauso beeindruckend wie die Beschleunigungs- und Fahrwerte des Nissan GT-R ist seine Geräuschdämmung des Innenraums. Egal wie schnell man den GT-R auch vorantreibt kann man sich noch immer mit seinen Beifahrern in angenehmer Lautstärke unterhalten. Vorausgesetzt die Konzentration auf Straße und Verkehr lässt dies zu. Apropos Beifahrer: Untypisch für einen Supersportler bietet der Nissan GT-R eine vollwertige Rückbank, auf der auch ein erwachsener Platz nehmen kann. Zugegeben, viel größer als 1,80 Meter sollten die Fondpassagiere nicht sein, doch ist die Rückbank im GT-R auch tatsächlich nutzbar. Gleiches gilt für den Kofferraum, der seinen Namen auch zu Recht hat. Denn während Lamborghini Gallardo und Co. gerade einmal Handgepäck zulassen, schluckt der GT-R stattliche 315 Liter. Nur zum Vergleich: ein VW Golf bietet 350 Liter.

Ausstattung
Der Innenraum des Nissan GT-R in der Black-Edition wirkt hochwertig und sportlich. Keine Spur vom häufig kritisierten Hart-Plastik. Der Arbeitsplatz wirkt aufgeräumt und bietet nur die nötigsten Anzeigen, um den Fahrer nicht zu überfordern. Von Links nach rechts gliedern sich zunächst zwei große, von gebürstetem Aluminium gerahmte Rundinstrumente, von denen eines den bis 340 km/h reichenden Tacho beherbergt. Im anderen sind der Drehzahlmesser und das Display des Bordcomputers untergebracht, über das die Laufleistung des Wagens dargeboten wird. Rechts daneben geben drei kleine Tachos Aufschluss über aktuell eingelegten Gang, Kraftstoffreserve und Kühlertemperatur. Am Lenkrad selber befinden sich Steuerelemente für Radio, Freisprecheinrichtung Tempomat und eine Stoppuhr.

Deutlich komplizierter geht es in der Mittelkonsole zu, gibt es doch kaum ein anderes Serienfahrzeug, das derartig umfangreich Fahrwerte an den Fahrer weiter gibt. Neben der Steuerung für Klima, Radio und Fahrwerkseinstellungen, kann man sich über das zentrale 7-Zoll Touch-Display unzählige Informationen abrufen, die von den Sensoren des Fahrzeugs aufgezeichnet werden. Neben üblichen Werten wie Reifendruck, Durchschnittsverbrauch und Reichweite kann man hier auch Werte wie Ladedruck, Stellung des Gas- oder Bremspedals, Längs- und Querbeschleunigung, Motoröldruck usw. abrufen. Dies mag zwar zu Beginn recht interessant sein, doch verliert es schnell seinen Reiz.

Auch wenn das Play-Station-Design des Infotainment-Systems Geschmackssache ist, wartet der Nissan GT-R generell mit einer hochwertigen und umfangreichen Komfort- und Sicherheitsausstattung auf, die sich vor keinem Konkurrenten verstecken muss. Zur Serienausstattung der Black Edition gehören unter anderem elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, HDD Festplatten Navigationssystem mit TMC und Spracherkennung, Bluetooth Freisprecheinrichtung, Bose Sound-System, HDD Music Box System mit neun GB Speicher, schlüsselloser Zugang und Fahrzeugstar intelligent Key, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, elektrische Fensterheber, Geschwindigkeitsregelanlage, Teillederausstattung und elektrisch einstellbare Recaro Sportsitze.

Zur Sicherheitsausstattung gehören Reifendruck Kontrollsystem (RDCS), elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), ATESSA ET-S Allradantrieb mit elektronischer Traktionskontrolle, Nissan Advanced Air Bag System (AABS) mit Zwei-Phasen-Front-Airbags für Fahrer und Beifahrer, Abblendlicht mit besonders breiter Streuung, exklusiv für Nissan entwickelte Dunlop Reifen mit Stickstoff gefüllt, Bilstein-Damptronic-Fahrwerk sowie 390 mm Brembo-Scheibenbremsen vorn und 380 mm hinten.

Fazit
Der Nissan GT-R ist ein Supersportwagen aller erster Güte. So viel steht fest. Kaum ein Sportwagen kommt derzeit an ihm vorbei, im wahrsten Sinne des Wortes. Zudem ist er mit 90.900 Euro bzw. 92.000 Euro für die Black Edition beinahe noch bezahlbar. So mancher Geschäftswagen bewegt sich schließlich in ähnlichen Regionen. Ähnlich potente Sportwagen-Konkurrenz kostet fast doppelt so viel. Trotzdem steht der Nissan Supersportlern aus Italien oder Deutschland qualitativ in kaum etwas nach. Zudem ist der GT-R dank ungewöhnlich großem Kofferraum und tatsächlich nutzbarer Rückbank zumindest theoretisch im Alltag nutzbar. Selbst den Verbrauch konnten wir im Test auf die von Nissan angegebenen 12 Liter pro 100 km im Mix drücken. Jedoch mussten wir uns hierfür sehr zurückhalten, auch nicht den kleinsten Zwischenspurt einzulegen. Und mal ehrlich: wer spart am Kraftstoff, wenn er sich einen 90.000 Euro teuren Supersportler kauft? Daher sollte beim GT-R fahren besser mit einem Durschnittsverbrauch von 17 Litern und mehr gerechnet werden. Denn unter Volllast schluckt der GT-R laut Bordcomputer gar zwischen 50 und 60 Liter pro 100 km.

Doch eigentlich hat der Nissan GT-R auch nichts auf öffentlichen Straßen verloren. Zwar hat Nissan ganze Arbeit geleistet, die unbändige Power eines Supersportler so weit zu zähmen, dass auch ungeübte Piloten den japanischen Kampfjet über öffentliche Straßen fliegen können, doch richtig wohl fühlt sich der Wagen erst auf offener Rennstrecke. Schließlich attestiert Nissan dem 2011er GT-R Rundenzeiten von unter 7:20 Minuten auf der Nordschleife. Doch selbst wenn derartige Werte bisher nie offiziell bestätigt werden konnten, kann man nur anerkennend den Hut vor den Nissan-Ingenieuren ziehen, die aus dem 1.784 kg scheren Brocken ein so brachiales Rennauto zaubern konnten. Zumal die nächste Leistungssteigerung auf 550 PS für 2012 bereits beschlossene Sache ist. Der GT-R wird also auch in den kommenden Jahren bei der Supersportler-Konkurrenz für die ein oder andere schlaflose Nacht sorgen. Im Preis-Leistungs-Vergleich bekommen Porsche, Lamborghini und Co. jedenfalls nur die vier dicken Endrohre des GT-R zu sehen. Denn dort bekommt man für 90.000 Euro gerade mal ein müdes Lächeln und keinen Supersportler.

 


Bewertung –
Nissan GT-R 2011 Black Edition

Exterieur-Design 1,5
Interieur-Design 2,0
Multimedia 1,7
Navigation 2,0
Fahrbetrieb 1,8
Verbrauch 3,5
Kosten pro Jahr*
Anschaffungspreis Testfahrzeug 92.000,00 Euro
Kraftstoffkosten** 4.207,50 Euro
Steuern 386,00 Euro
Wertverlust 13.800,00 Euro
Gesamtkosten pro Jahr:
18.393,50 Euro
Testergebnis/Gesamtprädikat:
1,8
*Kosten pro Jahr setzen sich zusammen aus Kraftstoffkosten, Kfz-Steuer, errechnetem Wertverlust (15 Prozent p. a.)
**Kraftstoffkosten bei 1,65 Euro/Liter Super-Plus-Kraftstoff und einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern
Datenblatt – Nissan GT-R 2011 Black Edition
zweitüriger, viersitziger Supersportwagen mit Allradantrieb
Länge/Breite/Höhe: 4.670 mm/1.895 mm/1.370 mm
Radstand: 2.780 mm
Motor: V6-Ottomotor mit zwei Turboladern
Hubraum: 3.799 ccm
Leistung: 390 kW/530 PS bei 6.400 Umdrehungen pro Minute
max. Drehmoment: 612 Newtonmeter bei 3.200 – 6.000 Umdrehungen pro Minute
Höchstgeschwindigkeit: 315 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,0 s
Test-Verbrauch (im Mittel):
17 l/100 km
Test-CO2-Ausstoß***: 485 g/km
Verbrauch lt. Hersteller: 12 l/100 km
CO2-Ausstoß lt. Hersteller: 279 g/km
Schadstoffklasse: Euro 5
Ausstattung
(Black Edition, Auswahl):
Reifendruck Kontrollsystem (RDCS), elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), ATESSA ET-S Allradantrieb mit elektronischer Traktionskontrolle, Nissan Advanced Air Bag System (AABS), Abblendlicht mit breiter Streuung, für Nissan entwickelte Dunlop Reifen mit Stickstoff gefüllt, Bilstein-Damptronic-Fahrwerk, Brembo-Scheibenbremsen, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, HDD Festplatten Navigationssystem mit TMC und Spracherkennung, Bluetooth Freisprecheinrichtung, Bose Sound-System, HDD Music Box System mit neun GB Speicher, schlüsselloser Zugang und Fahrzeugstar intelligent Key, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, elektrische Fensterheber, Geschwindigkeitsregelanlage, Teillederausstattung und elektrisch einstellbare Recaro Sportsitze
Gewichte/Zuladung
Leergewicht: 1.815 kg
zul. Gesamtgewicht: 2.200 kg
Zuladung: 375 kg
Kofferraumvolumen: 315 l
Preise
Basismodell: ab 90.900,00 Euro (inkl. 19 Prozent MwSt.)
Testwagen: 92.000,00 Euro (inkl. 19 Prozent MwSt.)
Topmodell: ab 92,000,00 Euro (inkl. 19 Prozent MwSt.)
***Basierend auf Berechnungen des bayerischen Landesamt für Umwelt

Quelle: auto.de

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