FAHRBERICHT: INFINITI M37S PREMIUM

Autor: just.bjoern, E-Mail: just.bjoern@freenet.de

Infiniti M37S PremiumAbstimmung des Probefahrttermins:
So angenehm, so professionell kann es sein! Im perfekten Ambiente des Infiniti Zentrums Hamburg wurden meine Frau und ich von einem Verkaufsberater schnell und sehr freundlich angesprochen. Der Verkaufsberater, der gerade erst von einer anderen Marke in dieses Autohaus gewechselt ist, gab zunächst entwaffnend offen zu, dass er noch nicht alle Fragen würde beantworten können, war aber unglaublich bemüht, uns einen positiven Eindruck von dem M37-Modell zu vermitteln.

Dieses Bemühen wirkte nicht aufgesetzt, sondern authentisch und es ergab sich so ein sehr angenehmes und intensives Erstgespräch, in dessen Verlauf wir eingeladen wurden, sofort eine “kurze Fahrt um den Block zu machen” und dann bei Gefallen einen Termin für eine ausgedehnte Probefahrt zu vereinbaren.


Das Angebot haben wir natürlich gern angenommen und die erste Fahrt hat uns veranlasst, dann tatsächlich einen Probefahrttermin zu vereinbaren. Ausgestattet mit einen repräsentativen Tüte, prall gefüllt mit Informationsmaterial über Infiniti, die Modellpalette, den M37 und einem sehr gut gemachten Image-Magazin, haben wir das Infiniti Zentrum Hamburg voll Vorfreude auf die Probefahrt verlassen.

Die Probefahrt:
Die Probefahrt war von Samstag bis Montag terminiert und ich erschien nach zwei Tagen krankheitsbedingter Bettruhe am Samstagmittag zum vereinbarten Termin im Infiniti Zentrum – drei Tage unrasiert, schlecht gekleidet und insgesamt noch ein wenig derangiert. Vor der freundlichen, jungen und attraktiven Mitarbeiterin am Empfang erfuhr ich, dass “mein” Verkaufsberater krankheitsbedingt abwesend, aber die Probefahrt natürlich trotzdem vorbereitet sei und ein Kollege sich gleich um mich kümmern werde. Mir wurde ein Sitzplatz auf einem der bequemen, schwarzen Ledersofas sowie Kaffee oder Mineralwasser angeboten.
Die nun folgenden rund 10 Minuten Wartezeit habe ich damit verbrachte, die übrigen Verkaufsberater im Umgang mit anderen (es waren erstaunlich viele!) Kunden zu beobachten. Auch dabei war der Eindruck, den ich gewann, sehr positiv.Der Gipfel des Services war, dass Kunden, die eine gut 200 km weite Anfahrt hatten und nun offensichtlich wegen eines anderen Termins ein wenig in Zeitdruck gerieten, angeboten wurde, sie in der kommenden Woche zuhause aufzusuchen und dort weiter zu beraten. Respekt!

Der Mitarbeiter, der sich dann meiner annahm, ist künftiger Leiter eines anderen Infiniti Zentrums und ein echter Automann im positiven Sinn, so dass sich trotz meines etwas angegriffenen Zustandes ein sehr, sehr interssantes, rund einstündiges Gespräch ergab. Dann übergab er mir den M37S Premium und die Probefahrt konnte beginnen.

Das Erste, was mir auffiel, war ein halbleerer Tank und dass das Auto weder innen noch außen vor der Probefahrt gereinigt worden war. Der erste Minuspunkt führte dazu, dass ich erst einmal eine Waschanlage ansteuerte, den Infiniti aussaugte und waschen ließ. Na ja, das kann ja mal passieren, sollte aber meiner Meinung nach bei dem sonst durchgängig hohen Niveau nicht sein.

Eine gute Sitzposition habe ich sofort gefunden und positiv fielen mir die sehr großen Außenspiegel auf, die einen hervorragenden Blick nach hinten ermöglichen. Nach dem Starten summt der 3,7 Liter-6-Zylinder mit 320 PS fast unhörbar vor sich hin und die Fahrstufe “D” lässt sich intuitiv in der Schaltkulisse des Automatikgetriebes finden. Die Lenkung ist leichtgängig, wirkt aber für meinen Geschmack etwas synthetisch und vemittelt keinen direkten Fahrbahnkontakt. Die Bremsen lassen sich mit kurzem Pedalweg und klar definiertem Druckpunkt dosieren, benötigen aber etwas Gewöhnung, wenn man direkt vom VW Phaeton mit seinem etwas “teigigen” Bremspedalgefühl umsteigt. Die Bremsleistung habe ich – zum Glück – nicht in vollem Umfang testen müssen, aber insgesamt wirkt die Bremse absolut vertrauenserweckend.

Im Gegesatz zum vorher probegefahrenen Porsche Panamera wirkt der Infiniti im Stadtverkehr übersichtlicher, geschmeidiger und agiler. Die serienmäßig mit 20-Zoll-Bereifung ausgestattete “S Premium”-Variante vermittelt ein straffes, sportlich-agiles, aber nicht unkomfortables Fahrgefühl. Die ebenfalls sehr straffen Ledersitze haben selbst für mich mit meiner sehr überschaubaren Körpergröße eine nur knapp ausreichende Beinauflagefläche, passen aber sonst recht ordentlich zu meiner Figur; besser jedenfalls, als die Porsche Panamera-Sitze, bei weitem aber nicht so gut, wie die 18-Wege-Komfortsitze in meinem VW Phaeton.

Der Motor, der wohl auf dem des Sportwagens Nissan 370Z basiert, ist das beste, was ich in den letzten Jahren im Sechszylinder-Bereich gefahren habe. Bis in den mittleren Drehzahlbereich sehr kultiviert, aber sehr kräftig im Antritt aus dem Stand heraus, scheint er ab rund 4.000 U/Min zu einem echten Sportmotor mit hoher Drehfreude und einem kernigen, aber angenehmen Sound zu mutieren.

Das macht einfach nur Spaß und in Verbindung mit dem unauffällig agierenden Automatikgetriebe ist das eine sehr stimmige Motorisierung. Der Verbrauch im Stadtverkehr pendelt laut Boardcomputer so um die 15 L/100 km.

Die Bedienung lässt dem Fahrer die Wahl zwischen der Nutzung des großen Touchscreen-Monitors, des griffgünstig gelegenen und handschmeichlerischen Dreh-/Drückstellers und einer Bedienung vieler Haupt- und Nebenfunktionen über herkömmliche Tasten. Insgesamt erschließt sich das Bedienkonzept sofort, allerdings sind einige Tasten, wie z. B. die Taste für die Lenkradheizung links unterhalb der Lenksäule im Kniebereich des Fahrers, nun wirklich deplaziert.

Der Infiniti M37 steckt voller interessanter und ingeniöser Detaillösungen, von denen ich wahrscheinlich nur einen Bruchteil erkundet habe. Exemplarisch nenne ich hier mal das aktive Geräuschunterdrückungssystem, dass Fahrgeräusche gezielt mit “Gegenschallwellen” überlagert oder die Klimaanlage, die in Intervallen zwei verschieden Walddüfte, die zur Entspannung und zum Wohlbefinden der Passagiere beitragen sollen, in das Wageninnere appliziert. Klingt künstlich, ist es auch, wirkt aber verblüffend authentisch. Sehr angenehm!

Die Bose-Soundanlage sorgt für einen nur mäßigen Sound (ich bin natürlich durch das DSP-System in meinem VW Phaeton verwöhnt). Ansonsten ist das Infotainment in allen Belangen auf der Höhe der Zeit. Ein sehr schnelles Navigationssystem mit attraktiver Kartengrafik, iPhone-Kopplungsmöglichkeit, Festplatte, und, und, und! Mein Sohn als “Technik-Geek” war jedenfalls begeistert.

Die Styling des Exterieurs ist sicher nicht jedermanns Sache. Das Fahrzeug wirkt jedenfalls sehr präsent, aber nicht peinlich-protzig, wie der Panamera wohl oft empfunden wird. Das Interieur hat mich gestalterisch und haptisch begeistert und braucht einen Vergleich mit dem VW Phaeton (allerdings ohne Voll-Lederausstattung, erweitertem Holz- sowie ohne das Alcantarapaket) nicht zu scheuen. Die Platzverhältnisse vorn sind üppig, hinten ausreichend und der Kofferraum sollte auch das große Urlaubsgepäck problemlos “verdauen”. Die Übersichtlichkeit der Karrosserie ist insgesamt deutlich besser, als die des Porsche Panameras und die Einparkhilfe vorn sowie die Rückfahrkamera hinten tun genau das, was sie sollen: Sie helfen beim Einparken.

Das Fahrzeug vermittelt echten Fahrspaß und ist als Sportlimousine sehr gut gelungen. Die Überraschung ist allerdings die Fahrt auf der Autobahn gewesen: Der Infiniti M37 entwickelt so gut wie keine Windgeräusche, läuft motorisch leise, hängt wunderbar am Gas, schaltet beim Beschleunigen perfekt herunter und dann punktgenau wieder herauf, liegt sehr satt auf der Straße und federt bzw. dämpft hier sehr gut. Nur Längsrillen bringen den M37 aufgrund der Bereifung schnell aus der Ruhe. Insgesamt aber wirkt der Infiniti hier als agile und schnelle Reiseliousine wie in ihrem Metier.

Fazit:
Der Infiniti M37S Premium ist ein sehr gelungenes und überzeugendes Fahrzeug, das größenmäßig eine Klasse unterhalb des Phaetons angesiedelt ist. Er zeichnet sich vor allen Dingen durch seine attraktive und hochwertige Innenraumgestaltung sowie durch seine exzellente Motor-/Getriebekombination aus. Das straffe und Agilität vermittelnde Fahrwerk machen den Infiniti M37 in Verbindung mit dem sehr leistungsfähigen Motor zu einer echten Sportlimousine. Wenn man sich dogmafrei diesem Fahrzeug nähert, wird man die Leistung der japanischen Entwickler respektvoll zu würdigen wissen. Wenn man Freude an technischen Spielereien und aufwendigen Detaillösungen hat, sollte man sich den Infiniti M37 mal genauer ansehen.

Nachteilig ist aber die praktisch nicht vorhandene Möglichkeit, sein Fahrzeug zu individualisieren. Neben der extrem kompletten Serienausstattung der GT- und S-Premium-Modelle kann man nur zwei Extras bestellen: Metallic-Lackierung (die übrigens durch themoplastische Lackbestandteile kleine Kratzer “selbst repariert”) und ein Notrad statt Tire-Fit-System. Außerdem gibt es die Wahl zwischen jeweils zwei Innenraumfarben. Mehr geht nicht und das ist klassenunüblich sehr mager!

Dafür ist aber der Kaufpreis von knapp über 60.000,– Euro bzw. knapp über 63.000,– Euro für die beiden Premium-Austattungslinien im Vergleich zum europäischen Wettbewerb sehr attraktiv. In Verbindung mit dem Service-Paket ist das sicher ein Pfund, mit dem sich wuchern ließe, wenn es ein dichteres Händlernetz gäbe. Insgesamt halte ich den Infiniti M37 aber für einen sehr gelungenen Wettbewerber im Segment der sportlich-luxuriösen Limousinen.

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