DIE WAHRHEIT ÜBER AUTONOM GESTEUERTE FAHRZEUGE – INTERVIEW MIT CARLOS GHOSN

Carlos Ghosn, Nissan CEO“Es gab eine Vielzahl von Diskussionen in den Medien über die Technik des autonomen Fahrens und eine mögliche Zukunft des fahrerlosen Autos. Diese Technik wird unsere Haltung zum Autofahren ändern, da besteht kein Zweifel. Ich erwarte eine signifikante Veränderung bei der Beförderung.”

“Aber das ganze Gerede hat viele Autofahrer ein wenig verwirrt. Nach Jahren der Initiative “Augen auf die Straße, Hände ans Steuer” redet jetzt die Automobilindustrie über das Lesen von E-Mails oder Bücher während der Fahrt – vielleicht brauchen wir nicht einmal einen Fahrer.”

Jetzt ist eine gute Zeit die Fragen zu stellen, die sich ergeben, wenn das Thema aufkommt:

Frage:
Was ist autonomes Fahren?

Carlos Ghosn:
Das autonome Fahren kombiniert die Robotertechnik, die künstliche Intelligenz, Sensoren und die Vernetzung zwischen den Fahrzeugen. Unsere Autos werden in den nächsten Jahren um eine Reihe von Techniken ergänzt werden.

Einige Technologien des Konzepts sind bereits in den heutigen Autos vorhanden: Anti-Blockier-System, aktive Geschwindigkeitsregelung, Tote-Winkel-Warner oder Einparkhilfe sind Beispiele für Techniken, die autonom arbeiten, die meisten arbeiten ohne das der Fahrer es bemerkt.

Frage:
Wann werden wir die Technik sehen?

Carlos Ghosn:
Wir bringen die bestehende Technik auf die nächste Stufe in dem der Fahrer eine gewisse Kontrolle abgibt – im wesentlichen das freihändige Fahren -, aber weiterhin den Betrieb des Fahrzeugs überwacht. Vieles davon ist zeitnahe Technik, die nach und nach kommt.

Bei Nissan und Renault haben wir versprochen, dass wir im Jahr 2020 ein komplettes Paket von autonomen Antriebstechnologien in mehreren Modellen anbieten werden. Am Ende nächsten Jahres planen wird den “Traffic Jam Pilot” anzubieten, wie er intern genannt wird, der dem Auto erlaubt selbstständig und sicher durch den anstrengenden Stop-and-go-Verkehr zu fahren. Dieses Feature wird schließlich über die breite Palette unserer Nissan-, Infiniti- und Renault-Fahrzeuge angeboten werden.

Im Jahre 2018 werden wir die Technik einführen, die ein Auto selbstständig gefährliche Situationen und Spurwechsel meistert lässt. Und bis 2020 planen wird Fahrzeuge, die ohne Zutun des Fahrers in nahezu allen Situationen navigieren können, einschließlich komplexem Stadtverkehr, einzuführen.

Frage:
Wann werden das fahrerlose Auto sehen?

Carlos Ghosn:
Schließlich wird uns eine durchdachte Kombination dieser Technologien zum fahrerlosen Auto führen – eine Technik, die völlig autonom arbeitet, auch wenn keiner drin sitzt. So können Sie das Fahrzeug eventuell entsenden um Ihre Kinder von der Schule abzuholen oder einen kranken Elternteil zur Arztpraxis zu bringen.

Aber das liegt noch in fernerer Zukunft – mindestens ein Jahrzehnt entfernt. Tatsächlich, so erwarte ich, wird die Technologie lange bevor sie auf die Straße kommt, perfektioniert werden, denn es gibt eine Vielzahl von regulatorischen und rechtliche Fragen sowie Sicherheitsfragen, die zuerst gelöst werden müssen.

Frage:
Ich liebe das Autofahren. Warum sollte ich jemals die Kontrolle über mein Auto abgeben?

Carlos Ghosn:
Ich liebe das Autofahren auch! Wir entwickeln Technik für das autonome Fahren mit dem Fokus auf die Beseitigung der Strapazen des Fahrens, nicht der Freude am Fahren.

Die Tatsache ist, dass die meisten Fahrer nicht gerne langsam im nervendem Stop-and-go-Verkehr unterwegs sind. Die gleiche Sache ist das bei langen Fahrten entlang monotonen, schnurgeraden Schnellstraßen.

Bei unseren Auto wird der Fahrer entscheiden, ob er die Technik verwendet, wenn es zweckmäßig ist. Es wird optional sein. Nichts wird Sie abhalten, die volle Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen, wenn Sie kurvenreiche Straßen des kalifornischen Pacific Coast Highway und die wunderschönen Pässe in den Alpen lieben.

Unser Ziel ist es, das Fahrerlebnis zu verbessern und nicht zu beeinträchtigen. Wir wollen Autos bauen, die den Fahrern mehr Freiheit, mehr Möglichkeiten und mehr Kontrolle geben, aber die Fähigkeiten des Fahrers verbessern um Unfälle zu vermeiden.

Frage:
Also ist die verbesserte Sicherheit der Hauptvorteil?

Carlos Ghosn:
Ja. Bei der Renault-Nissan Allianz ist eines unserer internen Mottos: “Abgasfrei und keine Verkehstoten”. Mit der Zeit hält die Technik das Versprechen vermeidbare Unfälle praktisch zu verhindern. Die Autos sind in den vergangenen 50 Jahren viel sicherer geworden. Aber in den Vereinigten Staaten allein gibt es jährlich noch rund 6 Millionen Unfälle. Und das sind enorme Kosten für die Betroffenen und wirkt sich auf alle Versicherungsprämien aus – ein Verlust von insgesamt etwas 160 Milliarden Dollar pro Jahr in den USA.

Autonome Antriebe bedeuten weit weniger Unfälle. Das Auto ist in der Lage schneller als Sie zu reagieren, ebenso wie das Antiblockiersystem das Auto zum schnellen, sicheren Stehen bringen kann und es verhindert das Schleudern viel besser als jeder Mensch.

Frage:
Gibt es weitere Vorteile?

Carlos Ghosn:
Komfort gehört dazu. Diese Technik ermöglicht es Ihnen die Zeit beim Pendeln produktiver und stressfreier zu verbringen. Bedenken Sie, dass die Europäer durchschnittlich 300 Stunden pro Jahr im Auto verbringen, Amerikaner verbringen durchschnittlich 750 Stunden pro Jahr – das sind mehr als 2 Stunden pro Tag. Ich denke, dass die meisten Menschen lieber die Zeit zum Abruf Ihrer E-Mails, zum Anrufen, einen Artikel lesen oder einen Podcast hören und zum Entspannen nutzen würden.

Ein weiterer großer Vorteil ist die verbesserte Mobilität älterer Menschen. Es erlaubt uns, die immer älter werden, länger Auto zu fahren. Und wenn Sie weiter in die Zukunft des fahrerlosen Auto blicken, wird es den Senioren die Möglichkeit bieten, länger beweglich zu bleiben auch wenn sie nicht mehr selbst fahren können.

Frage:
Arbeiten Sie mit anderen Unternehmen zusammen was diese Technik betrifft?

Carlos Ghosn:
Ja. Kein Unternehmen ist in der Lage dies allein zu bewältigen. Zum Beispiel haben wir im Januar eine Partnerschaft zwischen der NASA und des Nissan Silicon Valley Forschungszentrums in Kalifornien bekanntgegeben um an vielen Bereichen der Technik zu arbeiten einschließlich einer Fernbedienung. Das ist zusätzlich zur Zusammenarbeit zu mehreren Universitäten wie Stanford, MIT, Oxford und der Universität von Tokio.

Frage:
Es klingt als würde die Automobilindurstrie zur High-Tech-Industrie werden.

Carlos Ghosn:
In der Tat, so ist es. Wenn ich um die Welt reise, versuche ich mich alle paar Monate mit Studenten der Universitäten zu treffen. Und ich sage, dass ich mich wirklich nicht an eine aufregendere Zeit erinnern kann in der Automobilindustrie zu arbeiten, wegen der Möglichkeiten all dieser neuen Technologien.

Das Ergebnis ist wirklich eine große Veränderung, in die wir die Mobilität führen. Es macht unsere Autos intelligenter, es wird unsere Fähigkeiten im Alter erweitern, aber in erster Linie wird es das Fahrer viel sicherer machen.

Quelle: Nissan

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