CHIP-KNAPPHEIT FÜHRT ZU PRODUKTIONSSTOPP BEI NISSAN

Autor: Frank Riemenschneider, elektroniknet.de

Der überhitzte IC-Markt, der bei diversen Herstellern zu Lieferzeiten jenseits von 20 Wochen geführt hat, hat ein erstes prominentes Opfer gefunden: Der japanische Autohersteller Nissan muss für 3 Tage seine Bänder anhalten, da ein spezifischer IC nicht lieferbar ist. Die Folge: 15.000 Autos können nicht gebaut werden – dies könnte aber erst der Anfang sein.

Nissan muss in vier seiner fünf japanischen Werke die Produktion anhalten, da Zulieferer Hitachi eine bestimmte ECU nicht liefern kann. Hitachi selbst hängt bei dem Bau der ECU von einem seiner Chipliferanten ab, der einen spezifischen IC nicht liefern kann. Dabei handelt es sich nicht um Renesas Electronics, das ursprünglich als Halbleiter-Spin-Off von Hitachi und Mitsubishi gegründet wurde und seit April 2010 mit NEC zusammengeführt wurde. Bei dem Chiplieferanten soll es sich um eine nicht-japanische Firma handeln.


Die “Just-in-Time”-Produktion, bei der keine Lieferbestände aufgebaut werden, sondern jedes Bauteil exakt zum benötigten Zeitpunkt in der Fabrik angeliefert wird, wurde ironischerweise von der japanischen Autoindustrie – konkret Toyota – erfunden und wurde mittlerweile weltweit adaptiert. Neben Nissan sollen auch zwei weitere japanische Autohersteller von der nicht lieferbaren ECU betroffen sein, deren Namen von Hitachi allerdings geheimgehalten werden. Ein “Überschwappen” des Chip-Mangels auf die US-Produktion konnte Hitachi nicht ausschließen.

Die dramatischen Auswirkungen könnten auf zwei wesentliche Strategiewechsel der Industrie zurückzuführen sein: Erstens haben viele Zulieferer wie Hitachi als auch OEMs selbst auf Grund von Kosteneinsparungsprogrammen eine “Dual-Source-Strategie” aufgegeben und verlassen sich nur noch auf einen Chip-Lieferanten. Wenn dieser nicht liefern kann, schlägt dies zwangsläufig bis zur Endfertigung durch.

Zweitens müssen immer mehr Halbleiterhersteller auf Grund der explodierenden Fertigungskosten bei schrumpfenden Prozessgeometrien auf Foundries wie TSMC zurückgreifen, deren Kapazität sich derzeit am Limit bewegt und auf deren Lieferzeiten kein direkter Einfluss durch den Chip-Designer gegeben ist.

Quelle: elektroniknet.de

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